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Färben mit Pilzen

Menschen, die sich für Pilze interessieren sind fasziniert von der Formen- und Farbenvielfalt dieser Lebewesen und häufig schätzen sie auch die kulinarischen Genüsse, die sich im Reich der Pilze auftun.

Was aber den meisten unbekannt ist: Pilze eignen sich als natürliche Färbemittel für Wolle und Seide! Durch Pilze lässt sich eine schier unerschöpfliche Farbpalette erzeugen, die immer wieder zum Experimentieren und Genießen einlädt! Alle meine Färbeexperimente und Färbeseminare führe ich mit selbst gesammelten Pilzen durch.

Farbpalette: Wolle und die dazugehörigen Färbe-Pilze

Bei Färbungen mit Pflanzenteilen müssen häufig aufwendige Prozesse der Farbgewinnung durchlaufen werden (Krapp, Indigo, …) – bei Pilzen hat man den Vorteil, dass die Farben meist durch einfaches Auskochen zu extrahieren sind. Um Farbstoffe zu gewinnen verwendet man bei Pilzen lediglich die Fruchtkörper – das Pilz-Myzel im Boden bleibt unbeschadet und kann weitere Fruchtkörper produzieren, somit hat man nachhaltige Farbstoffproduzenten. Jedoch gilt es bei einigen Pilzarten die spärlichen Bestände zu schützen und nicht alle Fruchtkörper zu ernten (damit durch die Sporenverbreitung neue Lebensräume besiedelt werden können).

Die Chemie der Pilz-Farbstoffe ermöglicht das Färben von tierischen Fasern (hauptsächlich wird Wolle und Seide verwendet), pflanzliche Fasern nehmen die meisten Pilz-Farben leider kaum an bzw. erzielen nur etwas triste Farbeindrücke. Um gute, haltbare Färbeergebnisse auf Protein-Fasern zu erzeugen, müssen Garne oder Stoffe gebeizt werden – d. h. sie werden mit Alaun oder AL-Kaltbeize vorbehandelt.

Die Vorbereitung des Pilzmaterials ist relativ einfach: Bei getrocknetem Pilzmaterial weicht man die Pilze mindestens eine Stunde in Wasser (Regenwasser) ein (besser über Nacht) – je kleiner die Pilzstücke sind, desto besser werden die Farbstoffe gelöst.

Getrocknete Schwefelköpfe (Hypholoma fasciculare) werden in Regenwasser eingeweicht

Die Pilze mitsamt der Einweichflüssigkeit werden dann ca. 1 h sprudelnd ausgekocht und schon hat man das Färbebad. Zur besseren Handhabung werden die Pilzstücke abgesiebt und in deinem kleinen Säckchen in das Färbebad gehängt – so geraten nicht allzu viele Pilzfragmente in die Fasern oder auf den Stoff. Nun kann gefärbt werden!

Die Färbepilze wurden ausgekocht: Der Färbesud ist fertig! Die Pilze werden in einem Netz im Topf belassen

Für viele Pilzarten gilt: Das Gewicht des Färbeguts (Wolle, Seide, …) sollte dem Gewicht des Trockenpilzes entsprechen – das bedeutet, mit 100 g Trockenpilzmaterial kann man 100 g Wolle färben. Der eigentliche Färbevorgang sollte unter dem Siedepunkt bei ca. 90 °C stattfinden, damit die Fasern keinen Schaden nehmen. Der Daumenwert für die Färbedauer ist auch hier ungefähr eine Stunde. Nach dem Abschluss des Färbevorgangs sollte man die Fasern abkühlen lassen und dann mit klarem Wasser spülen, um überschüssige Farbe zu entfernen. Voila, nun ist die Pilzfärbung abgeschlossen und das Färbegut kann weiterverarbeitet werden!

Mein Färbeworkshop beim PilzCoach-Treffen im August 2019 im Bayerischen Wald